CUBA – Lebensfreude küsst Patriachat

Cuba is number one for Salsa, Rum and Chicas! …ein Leben ohne Apple, Fenster, Mc Donalds und Sicherheitsgurten. …Reisetipps am Schluss.

Halb 2 Uhr in der Nacht, kommend von einer Jam Session junger Kubaner im Terrys in Cienfuego. Vollgetankt mit guter Laune und Rhythmus. Die Heimfahrt in einem eiernden Lada, ohne Türschnallen, mit Benzingeruch. Autos fahren, thats all they have to do.

Die Herzen der Kubaner sind frei, …
In Kuba sind Lebensmittel nachwievor rationiert, Mehl, Zucker, Eier werden gegen Lebensmittel Marken abgegeben – der durchschnittliche Kubaner lebt mit weniger 100 Franken pro Monat, ein Lehrer bekommt gerade einmal 25 CUC (=chf) im Monat. Zum Vergleich: ein Privatzimmer kostet gleich viel. (Hotel das 4-6 fache). Die Armut ist, abgesehen von der Touristen-Gehegen wie Varadero, überall deutlich sicht- und spürbar. Der allmächtige Staat tut seines dazu. Es ist nicht möglich sein eigenes Business zu betreiben, alle Shops haben die selben wenigen Produkte, alles wird kontrolliert, der Polizeistaat ist überall. Touristen werden in einer Parallel-Welt gehalten, haben eine eigene Währung, Hotels und Shops. In dieser Doppelwelt könnte man die Armut fast übersehen, …wenn man wollte.

Es wird getanzt, musiziert, gelacht, geflirtet…
Rollenbilder werden gelebt… Frauen zeigen, egal mit welcher Figur, ihre Reize und die Männer sind Machos und Tanzprofis. Ist die Sonne unter gegangen, scheint alles in Ordnung. Eine Flasche Rum und 1-2 Büchsen Cola. Es geht los.

Ich hatte das Glück, gleich 3 der besten Salsa Bands der Welt zu sehen. Habana di primera – eine 15Mann Kombo, Bamboleo sowie Reaggeton (…bin gespannt, wann diese Beats in Europa ankommen). Einziger Wermutstropfen sind die unzähligen jungen und bildhübschen Frauen (auch Maenner fuer 40+ EU Frauen) die sich an solchen Orten prostituieren. Ansonsten wird zwar gegenseitig ständig hinterher gepfiffen und angebaggert, der katholische Glaube (85%) schlägt aber massiv durch. Eine nackte Brust oder ein Nachtclub gibt es in Kuba nicht. …jedoch massenhaft übergewichtige weisse alte Männer mit jungen Frauen in Bars.

Zeit kostet nix

20130719-095758.jpg
Hauptbeschaeftigung ist schaukeln im Schaukelstuhl und diskutieren. Ich leiste also bin ich gibt es hier nicht. Eine herrliche Aura der Gemütlichkeit und Lebensfreude entfaltet sich. Die Kehrseite: Hunderttausende Teenager lauern herum, trinken Rum schon zu Mittag. Da niemand wirklich verändern, modernisieren und ausserordentliches leisten will, passiert hier rein gar nichts und Teenager – wie Erik im Casa Diana – haben als einziges Jagtgebiet die TouristInnen.

Kinder wachsen draussen auf der Strasse auf, zusammen mit vielen anderen Kindern und für westliche Verhältnisse mit eher wenig elterlicher Aufsicht (aber viel Fürsorge). Uni Professoren arbeiten als Taxifahrer, Jungendliche dealen mit IT Hardware und anderem.

Kuba macht nicht nur Spass.

Ich tue… also bin ich
…kommend von einem Leben auf der Überholspur will ich hier ständig etwas tun. Wozu? …in Cuba lässt sich das „nichts tun“ herrlich erlernen. …die meisten Leute tun hier nichts. Mein Vorsatz: Etwas „Cuba-Style“ in meinen Alltag zu integrieren.

Smartphone und Co habe ich sowieso zuhause gelassen… Internet gibt es in Cuba keines, …ausser in Touristen Hotels. Und dort will keiner hin 🙂

Überhaupt gibt es in Cuba praktisch keinen westlichen Brand. (Adidas und Nestle bilden die Ausnahme, wie haben die das geschafft?) Keine Plakat-Werbung, keine Franchise-Nehmer, keine Autohäuser, keine Shopping Center. …nicht einmal in der frisch restaurierten Altstadt von Havanna. Unglaublich, – die westliche Welt ist in Cuba ausgesperrt. Erfrischend! …es öffnet die Augen, welchem gewaltigen Medien- und Werbedruck wir in Europa ausgesetzt sind. Zalando hat und braucht hier niemand.

Sinn
Sinnlos oder sinnvoll? …Unser Umfeld gibt uns die Normen vor, was wie gewichtet und bewertet wird. Aus westlicher Perspektive mag das Leben (resp. herumhängen) wenig Sinn machen und ein weiterer Beweis für den gescheiterten Sozialismus sein. Doch macht unser Leben wie wir es Leben Sinn? ..Rocci (Chefkoch) bezeichnete das Leben in Europa als sinnlos. Alle rennen durch die Strassen, sind gestresst in der Ubahn, ständig online und haben nie Zeit. (er war für 15 Monate in Italien als Koch in einem Austauschprogramm und hat spontan einen ganzen Nachmittag mit mir in Havanna verbracht).

Diana Rosa – meine Vermieterin eines Casa Particular (Privatzimmer / Pension) in Trinidat hat ein MBA… Und betreibt ihre Pension, … weil es keine Jobs für sie gibt und sie mit dem Touristen Business über das 10fache verdient. Das zeigt das Dilemma auf. Bildung und Gesundheitswesen sind fuer die dritte Welt vorbildlich aufgebaut, dringend notwendige Reformen bleiben jedoch aus. Roul und Fidel Castro sind seit über 50 Jahren an der Macht und sind längst keine Revoluzer und Erneuerer mehr.

Aber auch die Kubaner beschränken sich selber massiv. Das einzige was sie wirklich gut können sind Autos reparieren (hilft… Wenn das Motorbike unterwegs kaputt geht… 🙂 sowie Privatzimmer zu vermieten.
50 Jahre unter Fidel hat ein ganzes Volk zu Mitläufern gemacht, die sich selber kaum vorstellen können, selber unternehmerisch tätig zu werden. (Asien ist diesbezüglich massiv anders). Der Nährboden – gerade in Trinidad mit fast 1 Mio Touristen pro Jahr – wäre ideal.
Im Endeffekt sind es wieder die gleichen Themen wie zuhause. ….Opportunität erkennen, sein Leben in beide Hände nehmen, los lassen, los legen und im ungewissen etwas aufbauen. Ein gutes Team, die richtige Location und Geld zu suchen ist hier und dort die gleiche Herausforderung.

Ich schätze es auf Reisen immer sehr, spannende Leute aus aller Welt kennen zu lernen – hier nur ein Auszug:
– Türkisches paar aus London, seit 3 Jahren verheiratet, reist seit da herum
– Holländerin, Kuba Fan, leitet einen Philosophiezirkel in Amsterdam
– Zypriotischer Media Designer
– Deutsch deutsche Lehrerin in Mexico – Urlaub von Mexico in Cuba
– Anja aus Berlin, Kindergärtnerin und Homöopathin, letzte grosse Reise allein bevor sie Kinder kriegt
– Roger, Servicetechniker aus Luzern, stockbetrunken mit 2 Chicas und Zigarre
– Irisches Paar mit mega Sonnenbrand auf Hochzeitsreise beim Tauchen
– Der Italiener Desedario und sein kubanischer Freund (beide Künstler) die einen Roadmovie über Cuba drehen. (und für mich Pasta gekocht haben)

In Cuba habe ich mein Herz wieder geöffnet, mich wieder eingefangen, sortiert und erholt. Zu sehr wäscht einem der Alltag die Energie aus den Adern. „Cuba-Style“ ist Burnout Prävention erster Güte.

Morgen geht es zurück nach Zurich – noch ein Dinner bei meinem Freund Rocci und eine coole Salsa Live Combo im Casa de la Musica in Miramar.
…Und der Alltag ist wieder da… Fern von Flipflops und Schaukelstühlen. Auch gut, ich freue mich darauf! Mein Leben ist voller Sinn und meine Mission klar.
…weitere zwei Ferienwochen mit meinem Sohn warten!!!

Reisetipps für Kuba:
– Must sind Casa Particular (Hotels, auch in Havanna kann man sich schenken)
– Rundreise: Ideal ist ein Anflug auf Santiago de Cuba und Rückflug aus Varadero oder Havanna (es gibt eine einzige Autobahn, diese 1x zu befahren reicht)
– Selber fahren ist überbewertet, mit den Viazul Bussen sowie Privattaxis kommt man überall hin, reist günstiger und hat Kontakt zu Einheimischen (…plus keine Parkplatz-Sorgen über Nacht)
– Varadero, Vinales und Caya Coco sind zu meiden, ausser man möchte mit TUI all-inclusive Gästen in Kontakt kommen…
– Kuba lässt sich in jeder Jahreszeit gut bereisen, auch im Hochsommer wird es kaum über 30 Grad und die täglichen Regenschauer sind sehr angenehm
– Empfehlenswert ist es, zuhause ein paar Brocken Spanisch zu lernen, english spricht in Kuba leider keineR
– Tauchen ist Cuba Style… Nach einem PADI fragt keiner, Ausrüstungen sind Ur alt und unappetitlich (Mundstücke selber mitnehmen). Die Dive Spots sind Klasse.
– Gerne gesehene Mitbringsel fuer Einheimische sind Rasierschaum, Shampoos, Sonnencreme, Parfumes und Kosmetika. (Es gibt in Kuba wirklich nichts zu kaufen!)

Eine Antwort to “CUBA – Lebensfreude küsst Patriachat”

  1. Pascale Says:

    Super verfasster Beitrag! Musste beim Lesen mehrmals schmunzeln. Du hast die Faszination Cuba sehr treffend beschrieben. Toll, dass es mit Diana geklappt hat. 🙂

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: